Japanisch lernen lohnt sich – und das auf viele Arten. Es eröffnet dir Zugang zu Filmen, Anime und Manga in ihrer Originalsprache, zu Wissen und Inhalten rund um japanische Mode, Kunst und Kultur, und legt natürlich den Grundstein für echte Gespräche mit Menschen in Japan – ob auf Reisen oder als Vorbereitung auf ein Leben vor Ort.
Viele Guides nähern sich der japanischen Sprache aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel und werfen dabei schnell eine überwältigende Menge an Fachbegriffen in den Raum. Wir halten den Einstieg so einfach wie möglich und orientieren uns dabei an dem Weg, den auch Kinder in Japan gehen, wenn sie die unterschiedlichen Bestandteile ihrer eigenen Sprache erlernen.
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Die japanische Sprache verwendet drei Schriftsysteme: Kanji, Hiragana und Katakana. Gemeinsam bilden sie die Grundlage für das Lesen und Schreiben im modernen Japan. Während Kanji ursprünglich aus China stammen, sind Hiragana und Katakana eigenständige japanische Entwicklungen.
Die japanischen Schriftzeichen haben ihre Wurzeln in China. Dort entwickelten sich aus einfachen Piktogrammen im Laufe der Jahrhunderte stilisierte Schriftzeichen. Im 5. Jahrhundert gelangte dieses komplexe Schriftsystem nach Japan, wo es bisher keine Schriftsprache gab, sondern nur die gesprochene Form des Japanischen.
Da die Zeichen aus China übernommen wurden, werden sie Kanji genannt.
かんじ
Kanji
Das erste Zeichen wird “Kan” ausgesprochen und steht für China. Das zweite Zeichen folglich steht für das “Ji” und bedeutet “Schriftzeichen”. Sinngemäß also “chinesische Schriftzeichen”. So weit so einfach: Nun hast du bereits dein erstes Kanji kennengelernt!
Kanji tragen die wichtigsten Informationen in einem Text. Ähnlich wie wir im Deutschen Nomen beim Überfliegen eines Textes schneller erfassen, kann ein japanischer Leser von Kanji zu Kanji springen und so den Inhalt verstehen.
Heute werden in Japan rund 2.100 Kanji offiziell gelehrt – sie bilden die Grundlage, um eine Zeitung vollständig lesen zu können. Japanische Schüler lernen diese Zeichen Schritt für Schritt von der Grundschule bis zur Oberstufe.
Anfangs wurde in Japan ausschließlich mit Kanji geschrieben. Doch da die japanische Sprache nicht vollständig mit den chinesischen Schriftzeichen abgebildet werden konnte, entwickelte sich ein phonetisches Schriftsystem: die sogenannten Man’yōgana. Hierbei wurden Kanji nicht mehr wegen ihrer Bedeutung, sondern aufgrund ihrer Aussprache verwendet. Die Man’yōgana bestanden aus hunderten unterschiedlichen Zeichen, da für jede phonetische Silbe (z.B. „ka” oder „ni”) mehrere verschiedene Kanji verwendet werden konnten.
Aus den Man’yōgana gingen schließlich zwei weiter vereinfachte Silbenschriften hervor:
Katakana entstand aus einzelnen Bestandteilen der Man’yōgana – buddhistische Mönche und Gelehrte nutzten diese eckige, reduzierte Schriftform zunächst, um chinesische Texte zu kommentieren. Heute dient sie vor allem zur Schreibung von Fremdwörtern, ausländischen Namen und lautmalerischen Ausdrücken.
Hiragana entstand durch das kursive, fließende Vereinfachen ganzer Kanji – ursprünglich vor allem von Hofdamen der Heian-Zeit verwendet und daher auch als „Frauenschrift” bekannt. Viele klassische literarische Werke, etwa das berühmte Genji Monogatari, entstanden in Hiragana. Heute ist Hiragana die wichtigste Silbenschrift für grammatische Endungen, Partikel und japanische Wörter ohne Kanji.
Im modernen Japanisch ergänzen sich die drei Schriftsysteme:
Kanji: für Wörter mit konkreter Bedeutung (z. B. Nomen, Wortstämme von Verben und Adjektiven).
Hiragana: für grammatische Endungen, Partikel und Wörter ohne Kanji.
Katakana: für Fremdwörter, Markennamen oder lautmalerische Ausdrücke.
Zusätzlich gibt es noch Furigana – kleine Schriftzeichen, die meist in Hiragana über ein Kanji gesetzt werden, um dessen Aussprache anzugeben. Sie sind besonders für Anfänger eine hilfreiche Ergänzung beim Lesen. Daher findest du die Furigana vor allem in Texten, die sich an Kinder oder Sprachanfänger richten.
Eine runde, fließende Schrift, die sich aus kursiv geschriebenen Zeichen entwickelte. Sie wurde vor allem von Hofdamen in der Heian-Zeit genutzt und daher auch als „Frauenschrift” bezeichnet. Viele klassische literarische Werke, etwa das berühmte Genji Monogatari, entstanden in Hiragana.
Hiragana werden heutzutage für grammatische Funktionen, Partikel und Wörter genutzt, für die kein Kanji existiert.
Verben setzen sich zum Beispiel aus einem Kanji und mehreren Hiragana-Silben zusammen – die Hiragana-Silben bestimmen dabei die Konjugation des Verbs:
Verben:
Kanji Hiragana
食べる 食べた
essen gegessen
Partikel wie は (ha/wa) verbinden die einzelnen Satzteile miteinander und sind immer in Hiragana geschrieben:
Partikel:
Kanji Hiragana Kanji Hiragana
昨日は楽しかった
Kinou ha tanoshikatta.
Gestern hat spaß gemacht.
Eine eckige, klare Schrift, die ursprünglich aus vereinfachten Kanji-Bestandteilen entstand. Katakana wurde historisch vor allem von buddhistischen Mönchen und männlichen Gelehrten verwendet – und gilt daher als Gegenstück zur „Frauenschrift” Hiragana.
Heute erfüllt Katakana eine klar definierte Aufgabe: Es wird fast ausschließlich für fremdsprachige Begriffe, Lehnwörter und ausländische Eigennamen verwendet. Wer also als Ausländer in Japan lebt, findet seinen eigenen Namen in Katakana geschrieben – das ist die erste Begegnung vieler Japan-Reisender mit diesem Schriftsystem.
Lehnwörter aus westlichen Sprachen werden in Katakana transkribiert:
| Katakana | Romaji | Ursprung |
|---|---|---|
| コーヒー | kōhī | Kaffee (Coffee) |
| テレビ | terebi | Fernseher (Television) |
| パン | pan | Brot (portug. Pão) |
Auch Personennamen werden in Katakana geschrieben:
| Katakana | Romaji |
|---|---|
| トーマス | Tōmasu (Thomas) |
| アンナ | Anna |
| ドイツ | Doitsu (Deutschland) |
Hiragana und Katakana sind als Vereinfachung aus den Kanji entstanden und werden für unterschiedliche Zwecke genutzt.
Die gute Nachricht: Beide Silbenschriften stehen für die gleichen Laute. Theoretisch kannst du also bereits alles mit einem der beiden Schriftsysteme auf Japanisch schreiben und würdest verstanden werden. Allerdings haben alle drei Arten der japanischen Schriftzeichen ihren ganz eigenen Zweck und dienen kombiniert in langen Sätzen und Fließtexten der Übersichtlichkeit.
Wie bereits erwähnt markieren die Kanji die wichtigsten Informationen wie Nomen, Verben, Adjektive und Ortsnamen. Vereinfacht gesagt werden mit den Hiragana diese Informationen grammatikalisch zusammengeklebt, während die Katakana heutzutage für Wörter verwendet werden, die sich aus anderen Sprachen im Sprachgebrauch etabliert haben, oder um ausländische Namen darzustellen.
Ein Beispiel:
昨日はピザしか食べなかった
kinou ha piza shika tabenakatta
Gestern habe ich nur Pizza gegessen.
Die Kanji in Schwarz liefern die wesentlichsten Informationen (gestern / essen), die Katakana in Blau geben sofort einen Hinweis darauf, dass es sich um ein ursprünglich ausländisches Gericht handelt (Pizza), und die Hiragana in Rot verbinden diese Informationen mit der entsprechenden Grammatik – zum Beispiel der Konjugation des Verbs „essen”. Gewöhnt man sich erst einmal an die unterschiedlichen Funktionen der drei Schriftsysteme, werden japanische Texte deutlich übersichtlicher!
Der gleiche Satz ausschließlich in Hiragana:
きのうはぴざしかたべなかった
kinou ha piza shika tabenakatta
Der Satz ist zwar lesbar, allerdings weiß man kaum, wo ein Wort anfängt oder aufhört, und muss deutlich konzentrierter lesen. Du siehst: Auf Dauer kommst du nicht darum herum, alle drei Schriftsysteme zu lernen.
Jetzt, da wir die Unterschiede zwischen den japanischen Schriftzeichen kennen und wissen, wie sie genutzt werden, gibt es noch zwei weitere wichtige Punkte, bevor wir richtig mit dem Japanischlernen anfangen können!
Vielleicht hast du schon Mangas gelesen und dich gewundert, dass du das Buch von der “falschen” Seite aufschlagen musst. So ging es mir zumindest, als ich mir damals vom Taschengeld den ersten Band von Dragonball zugelegt habe. Die klassische Schreibrichtung des Japanischen geht von rechts nach links und von oben nach unten. Der Satz wird also oben rechts beginnend nach unten fortgesetzt. Am Seitenende wird dann nach links weitergeschrieben.
Durch den westlichen Einfluss hat sich die für uns gewohnte Schreibrichtung aber als zweite Möglichkeit etabliert und ist mittlerweile weit verbreitet.
Wow! Das ist eine ganze Menge für den Anfang! Leider ist dies das absolute Minimum, das du wissen solltest, um Japanisch zu lernen. Also – wo fängt man jetzt am besten an, und wie soll man sich jemals all die unterschiedlichen Zeichen merken?
Da steht sie also, die scheinbar unüberwindbare Mauer aus drei Schriftsystemen. Aber schließlich hat jeder von uns als Kind ganz nebenbei eine Sprache gelernt – und so funktioniert es auch mit dem Japanischen am besten. Kinder in Japan lernen im Vorschulalter zunächst die Hiragana, dann die Katakana und später in der Schule bis zur Oberstufe knapp über 2.000 Kanji, die für das alltägliche Leben vorausgesetzt werden. Und genau so kannst du auch vorgehen! Am Ende des Artikels findest du verschiedene Vorlagen, mit denen du die beiden Silbenschriften in relativ kurzer Zeit beherrschst.
Am Anfang ist es hilfreich, sich für die unterschiedlichen Zeichen Eselsbrücken zu bauen und die Motivation nicht zu verlieren. Konzentriere dich zunächst ausschließlich auf die Hiragana – lerne jeden Tag zwei oder drei neue, baue dir Merkhilfen und wiederhole die Schriftzeichen täglich. Viele Lernapps arbeiten nach dem „Spaced Repetition System” (SRS): Neue Zeichen wiederholst du nach wenigen Stunden. Immer wenn du korrekt antwortest, verlängert sich der Zeitraum bis zur nächsten Wiederholung – liegst du falsch, wirst du auf die vorherige Stufe zurückgesetzt. Kombinierst du diese Methode mit dem handschriftlichen Zeichnen der Hiragana, wirst du schnell Fortschritte machen und bald den ersten Berg erklommen haben – dann können die Katakana kommen.
Da mir die Katakana besonders schwergefallen sind, musste ich mir viele Merkhilfen – im Englischen „mnemonics” genannt – einfallen lassen. Diese können zum Beispiel so aussehen:
マ – Markenemblem des Autoherstellers „Ma“serati (auch wenn es tatsächlich etwas anders aussieht)
ラ – Eine halbierte Schüssel Ramen, über der Dampf aufsteigt
ム – Eine besonders musikalische Triangel
Es gibt zwar etliche Ressourcen im Internet und ganze Bücher, die Merkhilfen für Schriftzeichen vorgeben – am besten ist es jedoch, der eigenen Fantasie freien Lauf zu lassen.
日本語の勉強って眠くなる
Nihongo no benkyou tte nemukunaru
Vielleicht der verwirrendste Punkt am Anfang ist der Satzbau. Statt der für uns gewohnten Reihenfolge S-V-O – also Subjekt-Verb-Objekt – wird das Verb im Japanischen ans Satzende gestellt. Die Reihenfolge S-O-V klingt direkt übersetzt stark nach Meister Yoda. Hast du dich aber erst einmal daran gewöhnt, ist es gar nicht mehr so schwer, zwischen den Sprachen hin und her zu springen.
Mach dir also erst einmal nicht zu viele Gedanken über den Satzbau und behalte die Information lose im Hinterkopf. Die volle Rechenleistung des Gehirns brauchen wir jetzt für die Grundlagen – also auf geht’s!
Wichtig ist es auch, direkt die richtige Strichfolge zu verinnerlichen. Es gibt bestimmte Grundsätze, nach denen die Schriftzeichen geschrieben werden. Hier kannst du mehr über die Strichfolge der japanischen Schriftzeichen lesen und mit unseren kostenlosen Tabellen für Hiragana, Katakana und Kanji direkt loslegen, ein Meister der Kalligrafie zu werden.
Für den Einstieg eignen sich einige gute kostenlose Apps wie „Obenkyo” oder „Kanji Tree” – beide zeigen die Strichfolge der Schriftzeichen an und ermöglichen das direkte Nachzeichnen auf dem Bildschirm. Persönlich bin ich langfristig aber auf Papier umgestiegen: Im Zug oder Flugzeug habe ich immer ein kleines Notizbuch dabei, um auch ohne Strom oder Internet Wartezeiten zum Lernen und Wiederholen zu nutzen.
Immersion bedeutet im Zusammenhang mit Fremdsprachen, dass man in eine Sprache „eintaucht”. Der schnellste Weg eine Sprache zu lernen ist tatsächlich, sich im Alltag so viel wie möglich von ihr umgeben zu lassen. Ein guter Einstieg ist es, Medien auf Japanisch zu konsumieren. Mein Mittel der Wahl ist hier Netflix, da die Verfügbarkeit japanischer Shows – oder japanischer Sprachausgabe mit Untertiteln – sehr hoch und von guter Qualität ist. Besonders praktisch: Die Wiedergabegeschwindigkeit lässt sich anpassen, was gerade für Anfänger sehr hilfreich ist. Durch die Verknüpfung des Gehörten mit der gelesenen Übersetzung und visuellen Hinweisen festigen sich schnell bestimmte Wörter und Satzmuster.
Am größten ist dieser Effekt natürlich, wenn man an einer Sprachschule in Japan lernt. Dort findet nicht nur der Unterricht ausschließlich auf Japanisch statt – man ist auch im Alltag ständig von japanischen Schriftzeichen und der Sprache umgeben. Auf dem Weg zur Sprachschule habe ich damals die Durchsagen am Bahnsteig und im Zug anfangs überhaupt nicht verstanden. Aber dadurch, dass man die Durchsage hört und gleichzeitig sieht, was passiert, entstehen schnell Verknüpfungen im Kopf. So konnte ich so gut wie jeden Tag einen neuen Teil der Durchsage identifizieren oder ein weiteres Kanji lesen – und mittlerweile stellen Bahnhöfe und Flughäfen kein Problem mehr dar. Derselbe Lernfortschritt hätte in Deutschland deutlich länger gedauert.
Damit du sofort loslegen kannst, stehen hier beide Tabellen sowie eine Blanko-Vorlage als druckfertige PDF zum Download bereit. Du kannst sie auch nicht-kommerziell weiterverbreiten, solange Logo und Schriftzug erhalten bleiben.
Entdecke das echte Japan und lerne Japanisch direkt vor Ort. ENJ unterstützt dich bei der womöglich lebensveränderndsten Reise deines Lebens – ob mit dem Working Holiday Visum quer durch Japan oder mit dem Studentenvisum als Vorbereitung auf ein langfristiges Leben in Japan.
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